| 12 Strategien für Verführerinnen Cosmopolitan, Mai 2000 Heike Olbrich |
Wie macht sie das bloß immer? Kaum taucht ein spannender Mann auf der Bildfläche auf, nach dem sich alle Frauen die Finger lecken, dauert es nicht lange, bis er Julia in die Netze geht. Wie ein Magnet zieht sie Männer an. Dabei ist sie definitiv kein Model-Typ: zu wenig Zentimeter hoch, zu viel Kilos schwer, und ihr gesamtes Make-up paßt in ein winziges Täschchen. Julia ist keine Millionenerbin und hat weder einen Oscar noch den Nobelpreis gewonnen. Warum rennen ausgerechnet ihr die Männer hinterher? Julias Geheimnis: Sie ist verführerisch. Mit ihrer Ausstrahlung becirct sie jeden Mann, bis er nicht mehr weiß, wie er heißt. Zum Glück kann man es lernen, eine perfekte Verführerin zu sein. Gewußt wie! 1. Ich bin umwerfend Falls Sie glauben, Sie können keine unwiderstehliche Frau werden, weil Ihnen die richtigen Maße fehlen: Vergessen Sies und entrümpeln Sie Ihren Kopf! Es gibt nicht den Typus der Verführerin. Sie können kurvig sein und eine Löwenmähne haben oder schmal, klein und zart mit dunklem Bubikopf. Manche Menschen essen gerne Schokoladenkuchen, andere bevorzugen Obsttorte. Es ist eine Sache des Geschmacks - mehr nicht. Was alle Verführerinnen gemeinsam haben, ist etwas anderes: Sie strahlen aus, daß sie sich selbst mögen und sie haben Vertrauen in ihre Anziehungskraft. Selbstbewußtsein ist das A und O. Die Flirtexpertin Marie Papillon empfiehlt: »Um anderen das Image einer begehrenswerten Person zu vermitteln, müssen Sie selbst das Gefühl haben, begehrenswert zu sein!« Seien Sie zuversichtlich, daß Sie anderen gefallen. Falls Sie dabei Nachhilfe brauchen: - Erinnern Sie sich an alle Komplimente, die Sie jemals egal von wem - bekommen haben. - Erstellen Sie eine Liste mit allen Dingen, die Sie an sich selbst mögen. - Überlegen Sie: Wie würden Ihre besten Freunde Sie beschreiben? - Schreiben Sie Zettel mit bestärkenden Botschaften (»Ich bin wunderbar«) und verteilen sie in Ihrer Wohnung: an Spiegel heften, neben das Telefon und aufs Kopfkissen legen. 2. Aufmerksamkeit und Neugier wecken Machen Sie auf sich aufmerksam, damit der Mann, auf den Sie es abgesehen haben, Sie auch wahrnimmt. Sylvia Baeck, Seminarleiterin und Inhaberin der Berliner Flirtschule Baeck, rät: »Laufen Sie nicht wie ein Klappmesser herum: zusammengeklappt und mit gesenktem Blick!« Zeigen Sie sich! Die Neugier des Gegenübers muß geschürt werden. Halten Sie deshalb das erste Rendezvous mit Ihrem Favoriten eher kurz. Frauen neigen dazu, sich wie eine Boa constrictor um einen Mann zu wickeln. Kein Wunder, wenn er dann schnell Atemnot bekommt. Sylvia Baeck drückt es bildlich aus: »Öffnen Sie die Tür, aber bleiben Sie erst mal im Rahmen stehen. Versuchen Sie nicht sofort, den Mann ins Zimmer zu zerren und die Tür hinter ihm zuzusperren.« Denken Sie an eine verführerische Frau, die Sie kennen: Wie macht sie Menschen neugierig auf sich? 3. Do ya think Im sexy? Je verführerischer man sich selbst fühlt, desto anziehender wirkt man auf andere. Verhätscheln Sie sich vor einem Rendezvous mit stimulierenden Essenzen im Schaumbad, kostbarer Bodylotion und einem Glas Champagner. Gönnen Sie sich Muße und bringen Sie sich mit Musik in die richtige Stimmung: Bei kubanischen Klängen oder Tangomusik bewegt man sich automatisch lasziver. Tragen Sie schöne Wäsche, wenn Sie auf die Pirsch gehen. In kochfestem Baumwollslip, Frotteesocken und Turnschuhen fühlt man sich um Längen unerotischer als in zarter Seide, halterlosen Strümpfen und Mules. Wenn Sie zu den Frauen gehören, die sich zu dick fühlen, beschreiben Sie sich innerlich als »üppig, weiblich, kurvenreich, supersinnlich«, anstatt sich mit »dick, mollig, übergewichtig« herunterzuziehen. Das wirkt wie eine Selbsthypnose. Maggie Tapert, gebürtige Amerikanerin, die seit vielen Jahren in Basel lebt und Seminare zum Thema Sex und Spiritualität leitet, rät: »Alles, was eine Frau dabei unterstützen kann, sich selbst sexy zu fühlen, sollte sie tun.« Zum Beispiel? »Einen guten Orgasmus haben, bevor sie ausgeht.« 4. Blickfang Daß Fingernägel möglichst nicht angeknabbert sein und keine zerfetzte Nagelhaut und dunklen Trauerrand haben sollten, versteht sich von selbst. Ebenso sind schuppige Haut, rissige Lippen, glanzlose Haare und schlecht rasierte Beine weniger anziehend, als seidig schimmernde Haare und eine Haut, die förmlich nach Berührung lechzt. Tragen Sie Stoffe, die sich gut anfühlen. Ihre Kleidung sollte bestimmte Körperpartien betonen: Hals, Busen, Hintern oder die aufregende S-Kurve Brustkorb-Taille-Hüfte. Für Vamps hat die New Yorker Glamour-Party-Queen Dianne Brill einige Tipps. High Heels sind Pflicht, wenn man verführerisch wirken will. Außerdem: Finger weg von Strümpfen, BHs und Slips in Hautfarbe diese Farbe ist ein Lustkiller! 5. Weniger ist mehr Bei der äußeren Aufmachung ist weniger oft mehr: - Nehmen Sie stets zuviel Parfüm? Den eigenen Lieblingsduft riecht man selbst nämlich viel schwächer als andere. Tragen Sie unbedingt immer weniger auf, als Sie zu brauchen glauben. - Vorsicht vor dem Schaufensterpuppen-Effekt! Wenn das Styling - Make-up, Frisur, Klamotten - zu perfekt ist, wirkt das meistens nicht mehr anziehend. Es signalisiert: Bloß nicht berühren, sonst zerstört man das Kunstwerk. - Verkleiden Sie sich nicht! In erster Linie müssen Sie sich wohl fühlen. Wenn die Aufmachung nicht zu Ihnen paßt, fühlen Sie sich befangen, wecken Erwartungen, die Sie nicht erfüllen können und setzen sich nur unter Druck. 6. Hand anlegen Rücken Sie Ihrem Traummann näher, nehmen Sie Körperkontakt auf! Flirtlehrerin Sylvia Baeck erklärt: »Frauen können sich viel eher trauen, einen Mann zu berühren. Männer fühlen sich dadurch nicht bedroht.« Diesen Vorteil sollten Sie nutzen. Legen Sie Ihre Hand auf seinen Arm, wenn Sie mit ihm plaudern. Berühren Sie seine Hand, wenn er Ihnen Feuer gibt. Dadurch stellen Sie eine Verbindung her, signalisieren Interesse und geben ihm nebenbei schon mal einen Vorgeschmack darauf, wie gut Sie sich anfühlen. 7. Augen-Blick mal! Das Gute an Blicken bei der Verführung: Man kann sie in der Nähe oder auf Distanz einsetzen, bei völlig fremden oder bei bekannten Männern. Schauen Sie dem Mann, den Sie umgarnen wollen, länger in die Augen, als man es üblicherweise tut (zählen Sie langsam bis vier). Denken Sie dabei: »Ich weiß genau, was du jetzt brauchst!« Tipp für einen intensiven Blick: Versuchen Sie, Ihre Konturen in seinen Pupillen zu erkennen! 8. Sprechen Sie jetzt! Hätten Sie sich fast mal in einen Mann verliebt, von dem Sie nur die Stimme kannten? Wenn ja, wissen Sie, was für ein erotisches Potential in einer Stimme liegen kann. Je nach Tonhöhe, Lautstärke und Geschwindigkeit können Sie betörend oder nervtötend klingen. Dunkel, leise und langsam ist tausendmal erotischer als schrill, laut und schnell. Wenn Sie eine Stimme wie Daisy Duck haben, verlassen Sie sich lieber auf nonverbale Verführungstechniken. Reden Sie auf Parties, in Bars und überall sonst, wo es laut ist, leiser als normal. Das zwingt den Mann, den Sie umgarnen wollen, näher an Sie heranzurücken und dabei riecht er so ganz nebenbei Ihr sinnenverwirrendes Parfüm und spürt Ihr seidiges Haar auf seiner Wange. Laura Méritt, Sexpertin aus Berlin, empfiehlt: "Artikulieren Sie jedes Wort übertrieben und schauen Sie ihm dabei in die Augen. Sprechen Sie langsam, klar, mit viel Lippenspiel und Zungenakrobatik. Da muß ein Mann hinschauen, er kann gar nicht anders." Die beste Übung: Sagen Sie "Maiskolben" (sprich: Mmmaisss-kholl-bbhen). 9. Der erotischste Körperteil ... ... ist das Gehirn. Verführung findet im Kopf statt. Regen Sie die Phantasie Ihres Traummannes an. Rufen Sie ihn an, wenn Sie in der Badewanne liegen. Egal, ob Sie eine Gurkenmaske im Gesicht haben oder eine Duschhaube auf dem Kopf, pflanzen Sie das Bild von Ihnen nackt im Schaumbad in seinen Kopf. Wenn Sie mit ihm im Café sitzen, streicheln Sie sich genußvoll selbst. Lassen Sie Ihre Hand über Ihre Arme gleiten, über die Schultern, den Hals. Es wird in ihm den Wunsch auslösen, Sie zu berühren. 10. Ich will keine Schokolade, ich will lieber einen Mann Wenn Sie auf einer Party sind und noch nicht wissen, wen Sie verführen wollen, lassen Sie Ihren Blick langsam und ausgiebig über die Anwesenden schweifen. Es ist wie bei einem tollen Büfett. Denken Sie: »Welches dieser leckeren Dinge nehme ich mir jetzt? Etwas herzhaftes, oder das süße Stück da hinten, oder doch lieber etwas knackiges?« Gehen Sie mit Appetit Pardon: Vorfreude an die Sache heran. Seien Sie siegesgewiß und schreiten Sie mit Selbstbewußtsein und Optimismus zur Tat! Sie müssen sich wünschen, daß Männer zumindest der Mann, auf den Sie es abgesehen haben - bei Ihrem Auftritt die Köpfe verdrehen und die Luft anhalten. Denken Sie: »Hier bin ich und ich bin hinreißend!« Maggie Tapert erläutert die Haltung, die eine gute Verführerin einnehmen sollte: »In sich ruhen, an sich glauben und das Gefühl haben, man sei wunderbar, großartig und eine Göttin.« Ihrer Erfahrung nach wünschen sich viele Frauen allerdings keinen Mann, sondern eher das, was Männer haben. Sie wollen versorgt werden, jemanden, der sich um sie kümmert, die Rechnungen bezahlt oder ein Kind mit ihnen großzieht. Vorsicht Falle! »Wenn eine Frau denkt: "Komm, wie du bist", zieht sie Männer an. Wenn sie aber denkt: "Komm und bezahl meine Miete", tut sie das nicht«, erklärt Maggie Tapert. »Männer lassen sich nicht verführen, wenn sie ahnen, daß sie dabei in eine Falle tappen.« 11. Worüber reden, worüber schweigen? Machen Sie dem Mann Ihrer Wahl Komplimente! Sagen Sie ihm, wie gut er riecht, wie wunderbar er sich anfühlt, was für schöne Hände oder eine aufregende Stimme er hat. Männer bekommen viel seltener Schmeicheleien als Frauen und sind nicht weniger empfänglich dafür. Wenn er Ihnen ein Kompliment macht, relativieren Sie es niemals! Gefällt ihm Ihre Haarfarbe, sagen Sie nicht: »Ach, das ist gar nicht meine richtige Farbe, nur eine Tönung. Eigentlich habe ich nämlich aschblonde Haare.« Wer will das wissen? Niemand. Sprechen Sie nicht über Ihr vergangenes Liebesleben oder die Probleme mit Ihrer Mutter! Suchen Sie einen Psychotherapeuten, eine Schulter zum Ausheulen - oder einen Mann, bei dem Ihnen Hören und Sehen vergeht? Frauen neigen dazu, Männer vollzuquatschen, die sie eigentlich auf die Matte legen wollen. Wenn Sie dazu neigen, überlegen Sie vor dem Rendezvous, was Sie preisgeben wollen. 12. Nur Mut! Für eine Eroberung braucht man Mut: Mit Feigheit wird keine Burg gestürmt, kein Achttausender erklommen und kein Traummann erobert. Gehen Sie ruhig mal ein Risiko ein beim Verführen. Tipp zum Angriff von Laura Méritt: Senden Sie ihm einen Brief, der eine Karte und einen frankierten Rückumschlag mit Ihrer Adresse enthält. Auf die Karte schreiben Sie im Stil eines Multiple-choice-Fragebogens: »Ich möchte gerne mit dir/Ihnen: essen gehen, spazieren gehen, ein kulturelles Event besuchen, ein sexuelles Abenteuer erleben.« Dann muß er nur ankreuzen, was er am liebsten mit Ihnen erleben würde und die Karte an Sie zurücksenden. Das hat einen tollen Effekt: Er fühlt sich nicht nur geschmeichelt, sondern ist auch beeindruckt, weil Sie so mutig sind! Es kann natürlich passieren, daß Sie in allerbester Verführerinnen-Stimmung sind und trotzdem geht keiner ins Netz. Na und - was solls? Das passiert jeder mal. Zwingen Sie sich zu nichts, sonst verlieren Sie nur Ihre gute Laune und Lockerheit. Und denken Sie: »Dann eben das nächste Mal!« Cosmopolitan, Mai 2000 Heike Olbrich |
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